Wasserzweckverband der Böhmfelder Gruppe
Ihr Wasserversorger für Böhmfeld, Hitzhofen, Hofstetten und Lippertshofen

Das "Nitratproblem"

Die erste vorhandene Untersuchung unseres Trinkwassers auf Nitrat stammt aus dem Jahre 1965; sie weist den traumhaft niedrigen Wert von 6 mg pro Liter auf. Die Landwirtschaft wurde damals noch verwiegend als extensive Kreislaufwirtschaft mit Festmist und Jauche betrieben. Die Mechanisierung und der Einsatz von Kunstdünger sowie von Pflanzenschutzmitteln standen erst am Anfang. Die Einträge über die Luft waren noch zu vernachlässigen.

Der Nitrat-Wert von 1965 und die steigenden, aber immer noch relativ niedrigen Nitrat-Werte der 70er Jahre sind ein eindeutiger Hinweis darauf, dass erhöhte Nitrat-Werte in unserem Verbandsgebiet kein unabwendbares Schicksal sind, sondern Ergebnisse einer bestimmten Form der Landbewirtschaftung.

Nitrat (NO3) ist im Trinkwasser unerwünscht, weil es unter bestimmten Umständen im Verlauf der menschlichen Verdauung in das gesundheitlich bedenkliche Nitrit (NO2) umgewandelt werden kann. Die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Risiken nimmt bei höheren Aufnahmen von Nitrat zu. Um solche Risiken weitgehend auszuschalten, soll der Nitratgehalt im Trinkwasser möglichst gering sein (Minimierungsgebot).

Nach der Trinkwasserverordnung des Bundes darf ein Höchstwort von 50 mg Nitrat pro Liter (mg NO3/l) nicht überschritten werden. Anzustreben ist ein Richtwert von 25 mg pro Liter.

Mögliche Ursachen des erhöhten Nitratgehaltes

  •  Undichte Abwasserkanäle
  • Überdüngung der Hausgärten
  • Straßenabwässer
  • Einträge aus der Luft
  • Einleiten in Dolinen
  • Unsachgemäße Lagerung von Mineraldünger, Jauche oder Silage
  • Überdüngung in der Landwirtschaft


Wir setzen auf die Freiwillige Kooperation mit unseren Landwirten

Die Vorteile einer freiwilligen Kooperation liegen auf der Hand:

  •  Direkte Beteiligung der Betroffenen
  • Flexiblere Gestaltungsmöglichkeiten
  • Deutlich höhere Akzeptanz
  • Verbesserte Erfolgsaussichten

 

Verringerung des Nitrateintrags ins Grundwasser hat Priorität

Wasserschutzberater Philipp Maier (links), Zweckverbandsvorsitzender Alfred Ostermeier (rechts) und Wassermeister Georg Lindner (2.v.r.) sowie die Landwirte Bernhard Weiß, Martin Seitz, Johannes Wittmann, Josef Heiß und Josef Meierbeck (ab 2. v. l.).

Der Nitratgehalt im Böhmfelder Trinkwasser liegt derzeit zwischen 30 und 40 Milligramm pro Liter - bei einem erlaubten Grenzwert von 50 Milligramm. Im Wassereinzugsgebiet der Brunnen werden deshalb Äcker mit vielfältigen Pflanzenmischungen begrünt in den Winter geschickt. Dadurch kann vor allem die Verlagerung von Nitrat in das Grundwasser reduziert werden. Zudem fördern die Landwirte so auch die natürliche Bodenfruchtbarkeit.
Anfang November 2019 trafen sich Landwirte mit den Vertretern der kommunalen Wasserversorgung zu einer Feldbegehung, um sich über die Erfahrungen des Zwischenfruchtanbaus im Jahr 2019 auszutauschen.
"Zwischenfrucht ist nicht gleich Zwischenfrucht. Um möglichst viel überschüssiges Nitrat zu binden, muss eine optimale Durchwurzelung des Bodens sichergestellt werden", erklärte Wasserschutzberater Philipp Maier vom Agrarbüro Ecozept aus Freising in seinen Ausführungen für die Kooperationspartner. Landwirt Josef Meierbeck berichtete, dass er eine ausgewogene Mischung aus verschiedenen Pflanzen, die unterschiedliche Tiefen durchwurzeln, ausgesät habe. Unterstützt durch seine optimale Sätechnik, sei es ihm gelungen, trotz verzögerter Aussaat eine flächenübergreifende Gründecke zu etablieren, die
nun im Laufe des Winters abfrieren könne. Die abgestorbenen Pflanzenreste der Zwischenfrüchte dienten den Regenwürmern und Mikroorganismen als Nahrung, die wiederum am Humusaufbau beteiligt seien, machte Meierbeck deutlich. Durch die
Belebung der Bodenbiologie würden die Böden auch stabiler gegenüber Starkregenereignissen und könnten Wasser in Trockenperioden besser speichern, ist der Ackerbauer überzeugt. Auf einer weiteren Fläche glückte Johannes Wittmann durch eine frühe Aussaat nach der Roggenernte trotz schwieriger Bodenverhältnisse ein üppiger und dichter Bestand. In der Mischung mit über zehn Pflanzenarten konnten durch die lange Entwicklungszeit einige davon noch die Blüte erreichen. "Sofort nach dem Dreschen folgte der Stoppelsturz und kurze Zeit später die Einsaat, auf die es danach gleich geregnet hat", erinnerte sich der Landwirt. Dadurch habe sich die Zwischenfrucht hervorragend entwickeln können, weil die Tage Anfang August einfach auch noch länger seien. 2019 brachte im Spätsommer im Gegensatz zu den Vorjahren viele Niederschläge, und die  Temperaturen waren niedriger. "Die trockenheitsverträglichen Sorten wie Buchweizen, Ramtillkraut und Sonnenblume waren dadurch 2019 deutlich schwächer entwickelt als gewohnt. Heuer dominierten Kresse, Rettiche und Kleearten die Bestände", stellte Zwischenfruchtexperte Maier fest und verwies damit auf die Wichtigkeit von vielfältigen Mischungen. Sie kommen mit verschiedensten Witterungsbedingungen zurecht, wenn sich die Komponenten richtig ergänzen.

Bürgermeister Alfred Ostermeier, der zugleich Vorsitzender des Wasserzweckverbandes ist, zeigte sich beeindruckt von der Umsetzung der Wasserschutzmaßnahmen in der Praxis. Die Kooperation müsse "den zweigleisigen Weg konsequent  weitergehen, einerseits für einen bedarfsgerechten Einsatz von Stickstoff-Dünger zu sorgen und andererseits den im Boden vorhandenen Stickstoff mit Hilfe von Zwischenfrüchten vor Auswaschung zu schützen und der nächsten Feldfrucht zugänglich zu machen". Auch Wassermeister Georg Lindner ist zufrieden mit der freiwilligen Kooperation im Einzugsgebiet der Brunnen. "Die Werte sind stabil", betonte er. Er fügte aber auch hinzu, dass "man weiter am Ball bleiben muss, weil man im Grundwasser heute erst erkennt, was vor Jahren oder gar vor Jahrzehnten auf den Flächen passiert ist". "Deshalb wird sich die Bedeutung der Winterbegrünungen erst langfristig in den Analysewerten des Trinkwassers widerspiegeln können", sind sich Ostermeier und Lindner sicher. (Bericht: Anneliese Siebendritt)