Ein geschichtlicher Rückblick von Alfred Ostermeier, der anlässlich des 50-jährigen Jubiläums im Jahr 2000  in einer Festschrift veröffentlicht wurde

 

Aus über 100 Metern Tiefe hochgepumpt und durch kilometerlange Leitungen befördert, steht uns heute Trinkwasser in genügender Menge und mit ausreichendem Druck jederzeit zur Verfügung. Wasser ist so selbstverständlich und billig geworden, dass wir seine wunderbare Eigenschaft als Geschenk der Natur kaum mehr erleben und begreifen.

Im Folgenden will ich Ihnen die Geschichte des Wasserzweckverbandes aufzeigen, einige Informationen über unser Trinkwasser vermitteln und den Blick auf den Kreislauf der Natur lenken, der uns immer wieder reines Wasser schenkt – sofern wir die Natur als Mitwelt achten und nicht als bloße Umwelt missbrauchen.

 

Gründungszeit 1950 – 1954

„Das Wasser kommt!“

Mit freudiger Spannung erwarteten die Menschen rund um den Reisberg im Herbst 1952 das Wasser aus der Leitung. Am Samstag, den 4. Oktober 1952, war es dann so weit: Das erste Wasser floss vom Brunnen zwischen Böhmfeld und Hofstetten hinauf nach Böhmfeld, einige Tage später dann nach Hofstetten, Hitzhofen, Oberzell und Lippertshofen. Die Eichstätter Volkszeitung vom 6. Oktober 1952 schrieb zu Recht von einem „Freudentag“. Der Lippertshofener Schulleiter Johann Kölbl berichtet in seinem Jahresrückblick davon, dass noch Ende 1952 in allen Anwesen „von dem großen Segen des fließenden Wassers“ Gebrauch gemacht werden konnte.

Der Pfarrer von Hofstetten Josef Pfaller beurteilt in seinen Aufzeichnungen die zentrale Wasserversorgung so: „Was wird das für eine Wohltat für die Gemeinde bedeuten! Spätere Generationen werden diese Tat gar nicht mehr zu würdigen wissen, da sie nicht wissen, wie schwierig für einen Teil des Dorfes die Wasserbeschaffung war in regenarmen Jahren. Doch wir haben es in den Dürrejahren 1948 und 1950 zur Genüge gesehen.“

Heute drehen wir den Wasserhahn auf und empfinden es als pure Selbstverständlichkeit, dass Trinkwasser aus der Leitung fließt. Damals konnten viele es gar nicht fassen, dass ein vorher so knappes Gut plötzlich im Überfluss zur Verfügung stand. Um diesen zivilisatorischen Fortschritt beurteilen zu können, blicken wir auf die Lebensverhältnisse in den Dörfern vor dem Bau der zentralen Wasserversorgung zurück.

  

Wasserarmut in den Bauerndörfern

Die Dörfer rings um den Reisberg waren kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges noch reine Bauerndörfer, wie sie Pfarrer Franz Federl am Beispiel von Böhmfeld beschreibt:

„Böhmfeld war um 1940 noch ein reines Bauerndorf. In 90 Wohnhäusern lebten rund 600 Einwohner, überwiegend Bauern. Da waren 4 größere Bauern mit je 30 bis 40 ha Feld und 4 Pferden, 20 Bauern mit ca. 20 ha Feld und 2 Pferden, 20 Landwirte mit 2 Ochsen und 10 ha, 35 Kleinlandwirte mit ungefähr 5 ha und 2 Kühen als Gespann. Die kleinen Landwirte waren immer auf der Suche nach Nebenverdiensten durch Gelegenheitsarbeiten, die aber schwer zu finden waren.

Neben den eigentlichen Landwirten hatte das Dorf auch die dazugehörigen ländlichen Dienstleistungsbereiche: 2 Wagner, 2 Schmiede, 1 Sattler, 1 Schreiner, 1 Schlosser, 3 Schuster, 1 Schneidermeister, 2 Näherinnen, 2 Krämer, 3 Maurer, 2 Zimmerer, 3 Wirtshäuser, 1 Metzger (für die Hausschlachtungen bei den Bauern), 1 Bader („Approbierter Bader“, der auch Zähne zog, Wunden behandelte und Leichen beschaute) und 1 Wegmacher („Distrikt-Straßenmeister“, der das höchste und sicherste Einkommen hatte, 350 Reichsmark im Monat vom Bezirksamt, dem heutigen Landratsamt). Die meisten Handwerker bewirtschafteten zugleich einige Tagwerk Felder.“

Der Großteil der Bevölkerung führte ein einfaches bäuerliches Leben mit harter Arbeit, geringem Konsum und wenig Freizeit. Die schlichten Jurahäuser waren aus den Bruchsteinen der Umgebung errichtet. Das Wasser wurde aus privaten Einzelbrunnen entnommen. Es gab weder eine Kanalisation noch eine Müllabfuhr. Ein Teil des Abwassers versickerte ständig über undichte Mist- und Jauchegruben in den Untergrund.

Der Donau-Kurier vom 25./26. Juli 1953 beschreibt die Verhältnisse so:

„Die Bauern hatten überwiegend nur Zisternen, in denen sie das Regenwasser von ihren Dächern sammelten. Es gab auch Brunnen; aber die hatten nur eine Tiefe von 4 bis 5 Metern und konnten daher nur das Oberflächenwasser aus der Lehmschicht des Bodens auffangen. Im Sommer waren diese Brunnen meist leer. Das Wasser musste in manchen Wochen für das Vieh sogar von der Altmühl (bzw. der Schambach, A.O.) geholt werden. Mit dem Oberflächenwasser flossen auch Abwässer in die Brunnen. Die bakteriologischen Prüfungen des Wassers führten zu ernsten Beanstandungen. Die Feuersgefahr war wegen des Wassermangels groß.“

Von Willibald Fieger (Böhmfelder Bürgermeister 1970-1984) stammt die folgende kleine Episode, die schlaglichtartig die Wasserarmut in den Juradörfern veranschaulicht:

„Wasser war in unserer Gegend von jeher Mangelware, und in den heißen trockenen Sommermonaten brüllte das Vieh in den Ställen und lechzte nach Wasser. Sogar bis aus Schambach wurde das kostbare Nass geholt. Einmal fuhr ein Bauer mit seinem Ochsenfuhrwerk und dem Odelfass auf eisenbereiftem Wagen dorthin, um Wasser zu holen. Auf dem Heimweg wurde er von einem starken Gewitter überrascht und ließ vor dem Mühlsteig das Wasser heraus, um seine Ochsen zu schonen. Doch oh Schreck, das Gewitter hatte in der Ortschaft Böhmfeld leider keinen Tropfen Wasser abgegeben, und er stand wieder ohne Wasser da.“

Die Kinder ersehnten damals den Regen aus einem anderen Grund:

„Wenn es im Sommer regnete und auf den Straßen Wasserlachen standen, aus allen Höfen das Regenwasser lief und alle Wege und Plätze aufgeweicht waren – geteert oder betoniert oder gepflastert war damals noch nichts im Dorf -, dann gingen die Kinder hinaus und spielten mit dem Wasser. Barfuss und mit bloßen Händen und ebenso bloßen Köpfen – denn ein leichter und warmer Sommerregen hielt sie nicht ab – zogen sie Rinnen, bauten Bäche und Dämme und Weiher mit dem aufgeweichten Lehm. Wenn schon am nächsten Tag ein Wagen darüber fuhr und die Anlage zerstörte, wurde sie beim nächsten Regen anderswo wieder aufgebaut.“ (Im Steinacker Gottes, Seite 58/59)


Kostbare Haus- und Dorfbrunnen

Glücklich konnte sich schätzen, wer auf seinem Hof einen Einzelbrunnen besaß, aus dem genügend Wasser für Mensch und Tier geschöpft werden konnte. Nicht alle besaßen solche kostbaren Hausbrunnen. Als beispielsweise die ersten Heimatvertriebenen nach dem Kriege die Häuser am westlichen Ortsrand von Böhmfeld errichteten, mussten sie das für das Mörtelmischen notwendige Wasser von der „Schwemm“ in der Dorfmitte herbeischaffen. Dort gab es drei Brunnen, die im Volksmund die „Ölbrunnen“ genannt wurden, weil das Wasser so rar war wie Öl oder weil es manchmal so schmutzig war, denn die Brunnen kamen Tag und Nacht nicht zur Ruhe. Wer keinen Hausbrunnen besaß, musste sich viel Zeit nehmen für das Wasserholen an der Schwemm.

Von der „Schwemm“ floss das Wasser in einer Holzleitung die abschüssige Schelldorfer Straße hinunter und versorgte die angrenzenden Höfe. Diese Holzleitung wurde 1989 bei der Erneuerung des Ortskanals entdeckt und geborgen.

In Lippertshofen gab es, wohl als Löschweiher gedacht, die „Wimmerlacha“ und die „Stuber-lacha“ (Stuber, später Iberle-Wirt). In der Kollergasse befand sich ein gemeindeeigener Schöpfbrunnen (nach Andreas Staudacher).

 

„Der Brunnen im Pfarrhof“

„Denen, die noch einen eigenen Brunnen haben, möchte ich raten, ihn zu erhalten als Andenken an die alte Zeit und Lebensweise, aber auch als Hilfe in Notfällen, wenn die Wasserleitung versagt. Der 8 Meter tiefe Brunnen im Pfarrhof, der nicht von Grundwasser, sondern von einer kleinen, aber reinen Quelle gespeist wird, hat sicher besseres Wasser als die Quellen der Schambach. Jahrhundertelang haben meine Vorgänger davon getrunken. Das Wasser kommt vom Reisberg her, ist durch 8 Meter dicke Lehmschichten gesickert und dadurch geklärt. Im Dürresommer 1947 bin ich mit Leitern hinabgestiegen in den Brunnen und habe die hell und kühl fließende Quelle gesehen und mit der Hand berührt und mit dem Mund gekostet. Der Brunnen ist rundum ausgemauert mit Kalksteinen und war mit starken Eichenbohlen abgedeckt, die aber nicht ganz dicht schlossen, weshalb ich sie durch eine starke Betondecke mit einem herausnehmbaren Deckel ersetzt habe, damit auch mein Nachfolger hinuntersteigen kann, wenn er nicht zu stark ist. Ein eigener Brunnen, der noch fließt, ist ein kostbarer Besitz im Garten, weniger wegen des materiellen Wertes, sondern wegen des seelischen Erlebnisses der Natur.“ (Im Steinacker Gottes, Seite 118/119)

 

...Fortsetzung folgt

 

 

boehmfeld.wasserzweckverband@t-online.de